... Fortsetzung
Kontrast wiederum bezeichnet in der Musik Unterschiede z.B. im Tongeschlecht, Tempo,
Taktart und/oder der Artikulation. Reichert man den Kontrast mit wechselnder
atmosphärischer Dichte oder virtuoser Transparenz an, erkennt man schnell die Wahrheit
in der Aussage des englischen Dirigenten Jonathan Nott, für den musikalisch,
kontrastierende Konzepte erst Lebendigkeit und Wahrhaftigkeit hörbar werden lassen:
"Kontraste machen die Musik lebendig. Und wenn diese Kontraste hörbar werden, dann
erhält das Stück eine völlig neue Dimension und man ist viel näher an der Wahrheit."
Diese weltmusikalische Wahrheit und Gegensätzlichkeit wollen wir an den vier
Festivaltagen ansatzweise präsentieren. Die Idee hierzu reifte in uns seit einem Konzert
vor vielen Jahren im Kulturzentrum, als der Bandoneonvirtuose Marino Rivero aus
Montevideo/Uruguay zu Gast war. Er spielte ein Programm zwischen experimentellen
Eigenkompositionen, Tango Nuevo und europäischer Klassik. Er begann praktisch jede
Moderation mit den Worten "Siempre en contraste - immer im Kontrast". Das Ergebnis
war ein faszinierendes Programm, bei dem sich die unterschiedlichen Musiken im
Kontrast nicht aufhoben, sondern gegenseitig verstärkten. Diese Idee leitet uns nun
durch das diesjährige Kasseler Weltmusikfestival, welches die gegensätzlichsten
Herangehensweisen an die Musiken der Welt ansatzweise präsentieren möchte. Manche
der Bands tragen den Kontrast schon in sich, wie die Musiker des Eröffnungsabends in
Foyer der Kasseler Sparkasse: MoZuluArt intergrieren Elemente europäischer Klassik und
traditionelle Gesangskunst der Shona und Zulu Südafrikas.
Erleben Sie mit uns die spezifische Mischung aus Fremdem und Bekanntem in unserer
multikulturellen Einwanderungsgesellschaft. Denn hierin liegt der wirkliche Reiz einer sich
immer wieder neu erfindenden Musik.



